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Ackermann enttäuscht im Endspurt

Euro-Schuldenkrise verdirbt scheidendem Deutsche-Bank-Chef die Schlussbilanz

Frankfurt/Main (dapd). Schwarze Zahlen dank Steuergutschrift: Zwar kann der scheidende Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann für die Monate Oktober bis Ende Dezember 2011 einen Gewinn von 186 Millionen Euro verbuchen - das gelingt ihm aber nur durch geschickte Steuerberater. Die sicherten der Bank satte 500 Millionen Euro und rissen so das Schlussquartal noch ins Plus, wie die am Donnerstag in Frankfurt am Main vorgelegten Jahreszahlen zeigen.

Die Euro-Schuldenkrise habe die Finanzmärkte "substanziell beeinflusst", was zu geringen Erträgen geführt habe, sagte Ackermann. Die laufenden Kosten habe sie nicht aufwiegen können. Aktionäre verkauften als Reaktion auf die Bilanzvorlage ihre Bestände. Zwischenzeitlich gab die im Leitindex DAX notierte Aktie fast drei Prozent nach.

Aufs Jahr gesehen hat Ackermann einen Gewinn von 4,3 Milliarden Euro nach Steuern erzielt. Auch das sei weit unter dem Ertragspotenzial des Bankenprimus, sagte er. Zum wiederholten Mal stand damit einer seiner designierten Nachfolger, Anshu Jain, im Mittelpunkt. Der Investmentbanker hat mit seinem Bereich - in früheren Jahren die Cash-Cow der Bank - zu wenig Gewinn eingefahren. Er wurde von Reportern auf der Jahrespressekonferenz in die Zange genommen. Auch er sei enttäuscht, sagte Jain, sehe aber seinen Zweig auf einem guten Weg zurück aufs Siegertreppchen.

Jürgen Fitschen, der mit Jain von Juni an die Doppelspitze der Bank bilden soll, hielt sich vornehm zurück. Im klassischen Bankgeschäft erzielte das Unternehmen ein Rekordergebnis von 3,7 Milliarden Euro vor Steuern. Die Akquisitionen der vergangenen Jahre, womit die Postbank, Sal. Oppenheim und Teile der ABN Amro gemeint sind, hätten sich bezahlt gemacht, sagte Ackermann.

Für Rechtsstreitigkeiten hat die Bank nach Angaben Ackermanns fast 900 Millionen Euro aufwenden müssen. Eine teure Sache. "Es gibt immer wieder Einzelfälle, wo man entweder etwas falsch gemacht hat oder wo eben die Interpretation heute anders ist, als vor der Finanzkrise", sagte Ackermann. "Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren noch das eine oder andere auf uns zukommt."

Die Klage der Vereinigten Staaten gegen die Deutsche Bank sei jedoch "absolut grundlos" und die Bank werde sich mit "allen Mitteln verteidigen". Der Vorwurf: Die Deutsche Bank soll sich Zuschüsse im US-Immobiliengeschäft erschlichen haben. Es geht um einen Milliarden-Dollar-Betrag. Wo es wirtschaftlich Sinn macht, will Ackermann sich vergleichen. Das gelte für alle Fälle.

Konzernweit lag die Eigenkapitalrendite 2011 den Angaben zufolge bei zehn Prozent. Die Deutsche Bank erfülle bereits jetzt die verschärften Anforderungen an Kapitalausstattung der Europäischen Bankaufsicht EBA, sagte Ackermann. Die sogenannte Kernkapitalquote liege bei 9,5 Prozent. Um ihre Kapitalbasis zu verbessern, will die Bank einen Teil der Boni für die Mitarbeiter streichen. Das Budget dafür sei um rund ein Sechstel gekürzt worden, sagte Ackermann.

Wie schon im November versuchten erneut Globalisierungsgegner, die Pressekonferenz der Bank zu stören. Ein rundes Dutzend Mitglieder des Netzwerks Attac nahm Ackermann symbolisch fest, indem sie ein Straßentheater aufführten. Als sie versuchten, das Vordach zum Eingang des Konferenzgebäudes zu erklimmen, schritt die Polizei ein. Sie löste die spontane Protestaktion auf. Ackermann betrat das Gebäude über einen Hintereingang.

dapd

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