Amtsgericht bestätigt Insolvenzplan - Berggruen "sehr glücklich" über Karstadt-Kauf
Berlin (ddp). Rund 15 Monate nach dem Insolvenzantrag herrscht endgültig Klarheit: Der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen übernimmt die Kaufhauskette Karstadt mit ihren 25 000 Mitarbeitern. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg erhielt nach eigener Aussage am Freitag um 11.20 Uhr die letzten Dokumente, die für die Aufhebung des Insolvenzverfahrens nötig waren. Anschließend bestätigte das Amtsgericht Essen erwartungsgemäß den Insolvenzplan.
Kernpunkt der langen Verhandlungen waren die Mietkürzungen, die Berggruen vom Vermieter-Konsortium Highstreet verlangt hatte. Am Donnerstag hatten in London die Schlussverhandlungen begonnen, bei denen bis Freitag alle Gläubiger den reduzierten Mieten für die Karstadt-Filialen zustimmten. Damit war die letzte noch offene Forderung für den Vollzug des Kaufvertrags durch Berggruen erfüllt.
Insolvenzverwalter Görg sagte, Berggruen und sein Team hätten "beharrlich, konsequent und verlässlich" die Verhandlungen geführt. "Diese Tugenden sollten sich auch für die Zukunft von Karstadt als wertvoll erweisen", fügte er hinzu. Zugleich dankte Görg Mitarbeitern und Lieferanten. "Sie haben in vorbildlicher Weise dem Unternehmen die Treue gehalten und sich engagiert für die Fortführung Karstadts eingesetzt - allen Widrigkeiten zum Trotz." Nun sollen bis 30. September alle Vorbereitungen getroffen werden, um die Kaufhauskette "schlüsselfertig" an die Berggruen Holding zu übergeben.
Berggruen zeigte sich in Berlin vor Mitarbeitern des Kaufhauses am Kürfürstendamm "sehr glücklich" über den Abschluss und bat die Mitarbeiter, mit ihm gemeinsam für eine positive Zukunft des Unternehmens zu arbeiten. "Karstadt wird ein sehr aufregendes Leben haben. Und ich bin irrsinnig glücklich, dass ich dabei bin", sagte Berggruen. Der Investor dankte allen Beteiligten, hob aber vor allem Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) für ihre "fantastische Diplomatie" hervor.

Die Ministerin mahnte, Karstadt sei "noch nicht über den Berg". Berggruen werde nun einen "langen Atem brauchen". Er habe allerdings bewiesen, sich in die Pflicht nehmen zu lassen, fügte von der Leyen hinzu. Die Ministerin lobte die Karstadt-Mitarbeiter: "Sie haben den Laden am Laufen gehalten."
Die ver.di-Vizechefin Margret Mönig-Raane sprach von einem "Tag der Freude und Dankbarkeit". Karstadt sei ein Unternehmen, das "anständige Arbeitsplätze" biete und tarifgebunden sei. Aufgabe der Mitarbeiter sei es nun zu zeigen, dass es auf dem deutschen Markt Platz für zwei Warenhausketten, Karstadt und Kaufhof, gebe. "Und verdienen darf man auch noch dabei", sagte Mönig-Raane in Richtung Berggruen. Zugleich lobte sie den Insolvenzverwalter. Die Zusammenarbeit mit Görg sei "nicht immer einfach, aber immer fair" gewesen.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hob in der "Leipziger Volkszeitung" (Samstagausgabe) als besonders positiv hervor, "dass hier im Rahmen des Insolvenzverfahrens einmal mehr ein privatwirtschaftlicher Weg gefunden wurde. Die Vertragspartner haben sich alleine geeinigt."
Die Präsidentin des Deutschen Städtetages, Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), sagte, die Einigung sei "eine gute Nachricht für die Beschäftigten und die Städte mit Karstadt-Häusern". Kaufhäuser seien ein wichtiger Faktor für attraktive, lebendige Innenstädte und bedeutende Arbeitgeber. "Sie sind Magneten, die Käufer anziehen und auch auf den Einzelhandel im Umfeld positiv ausstrahlen", sagte Roth. Deshalb hofften die Städte, dass der Neuanfang für Karstadt erfolgreich sein werde.
ddp
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