Oxford Business News

HSH ließ angeblich Zeugen der Staatsanwaltschaft denunzieren

SPD fordert Nonnenmacher-Rücktritt - Gößmann wehrt sich gegen Medien

Hamburg (ddp). Bei den Ermittlungen gegen Verantwortliche der HSH Nordbank hat das Kreditinstitut offenbar versucht, einen der wichtigsten Zeugen der Hamburger Staatsanwaltschaft mit der Weitergabe eines Dossiers unter Druck zu setzen. Der vom Chefjustiziar der Bank, Wolfgang Gößmann, unterzeichnete halbfertige Untersuchungsbericht sei unmittelbar nach Erstellung an mehrere Zeitungen weitergeleitet worden, berichtete der Radiosender NDR Info am Freitag. Der SPD-Obmann im Hamburger Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur HSH, Thomas Völsch, forderte einen Neuanfang an der Spitze der Bank. Indes erwirkte Gößmann vor dem Hamburger Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

In dem Dossier wird der frühere Geschäftsführer der HSH-Filiale London, der Spanier Luis Marti Sanchez, laut NDR Info mit dubiosen Geldflüssen und mittelbar mit Betrug und Untreue in Verbindung gebracht. Zum Zeitpunkt der Weitergabe war demnach bekannt, dass Sanchez sich auch gegenüber der Staatsanwaltschaft ausführlich äußern und den Vorstand um Bankchef Dirk Jens Nonnenmacher belasten wollte. Aufgrund des weitergeleiteten Papiers berichteten mehrere Zeitungen über die angeblichen Verfehlungen des Spaniers. Wenig später stellte sich heraus, dass die Vorwürfe haltlos waren.

Für die Hamburger Staatsanwaltschaft war die Aussage von Sanchez der Grund, das zunächst allgemein gegen HSH-Verantwortliche geführte Verfahren schließlich direkt gegen Nonnenmacher und seine Vorstandskollegen zu richten. In den seit 2009 laufenden Ermittlungen der Anklagebehörde geht es um den Verdacht der schweren Untreue und teilweise der Bilanzfälschung.

SPD-Politiker Völsch zufolge gefährden die "Intrigen und Skandale" die Hoffnungen auf Konsolidierung der Bank. "Der Fisch stinkt vom Kopf her", sagte Völsch und forderte die Abberufung Nonnenmachers. Die HSH könne es sich nicht leisten, weiteres Vertrauen zu verlieren. Zeugen und Sachverständige des Hamburger Untersuchungsausschusses hätten zuletzt Darstellungen der Bank widersprochen.

Unterdessen setzte sich HSH-Justiziar Gößmann juristisch gegen "falsche Verdächtigungen" in den Medien zur Wehr. Gößmann habe beim Landgericht Hamburg am Donnerstag eine einstweilige Verfügung (Az.: 324 O 405/10) gegen das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" erwirkt, sagte sein Anwalt Gernot Lehr. Ferner habe sich die Axel Springer AG in Unterlassungserklärungen verpflichtet, mehrere in der Tageszeitung "Die Welt" veröffentlichte Tatsachenbehauptungen über Gößmann nicht mehr zu wiederholen. Bei dem Streit geht es um den öffentlich geäußerten Verdacht, der Justiziar könne bei der Entlassung des früheren Vorstands Frank Roth 2009 in irgendeiner Weise in angebliche Überwachungsmaßnahmen verwickelt sein.

Beginnend mit der "Spiegel"-Berichterstattung habe "eine kampagnenartige Zerstörung" des öffentlichen Ansehens unseres Mandanten stattgefunden, sagte Lehr. Gößmann begrüße die eingeleiteten Ermittlungen und wolle die Vorgänge mit aufklären. Die Kieler Staatsanwaltschaft prüft in der angeblichen HSH-Bespitzelungsaffäre unter anderem gegen Gößmann den Verdacht der falschen Verdächtigung.

ddp

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