"Die Wirtschaftskrise ging an der Weinbranche nicht spurlos vorbei"
Oppenheim (ddp-rps). Die Wirtschaftskrise wirft einen deutlichen Schatten auf die deutschen Weinexporte. So gingen im ersten Halbjahr 2010 die Weinexporte im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2009 um 13 Prozent auf rund 900 000 Hektoliter zurück. Der Wert der exportierten Weine sank um neun Prozent auf 178 Millionen Euro. "Die Wirtschaftskrise ging an der Weinbranche nicht spurlos vorbei", sagte die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI), Monika Reule, bei der Vorstellung der Zahlen am Donnerstag in Oppenheim.
Die Rückgänge seien jedoch nahezu ausschließlich auf "drastische Einbrüche" bei den Ausfuhren von Weinen unterhalb des Qualitätsweinniveaus zurückzuführen. Die Qualitätsweine hingegen legten laut Reule im Export sogar zu, um sechs Prozent beim Wert und um acht Prozent bei der Menge. Seit 2000 führten die deutschen Weinhersteller zudem pro Jahr eine relativ kontinuierliche Menge von rund zwei Millionen Hektoliter Wein aus, das entspreche etwa zwanzig Prozent der deutschen Weinerzeugnisse. Die Zahlen werden vom Statistischen Bundesamt im Auftrag des DWI aufbereitet. Erfasst werden dabei nur Betriebe, die Weine im Wert von über 400 000 Euro ausführen.
Die Exportrückgänge betreffen in erster Linie die EU-Staaten. Dagegen gebe es beim Weinexport in sogenannte Drittstaaten sogar eine deutliche Erholung, sagte Reule. Besonders deutlich sei das in den USA, dem wichtigsten Exportmarkt für deutsche Weine: Dort legten die deutschen Weine im ersten Halbjahr des Jahres um zehn Prozent auf 158 000 Hektoliter bei der Menge zu und um elf Prozent beim Wert, der auf 50 Millionen Euro stieg. Damit sei fast wieder das Niveau des Boomjahres 2007 erreicht, auch begünstigt durch den schwachen Euro, sagte Reule. Allerdings griffen die US-Amerikaner inzwischen eher zu billigeren Weine von unter zehn Dollar.

Größtes Sorgenkind ist Großbritannien, das von den USA auf Platz zwei verdrängt wurde: Hier sank die eingeführte Menge im ersten Halbjahr um sechs Prozent auf rund 74 000 Hektoliter und der Wert um 13,6 Prozent auf rund elf Millionen Euro. Grund dafür sei das anhaltend falsche Image deutscher Weine als süß und billig, während der Trend im Markt mehr zu hochwertigen Markenweinen gehe, sagte Reule.
Auf Platz drei der Exportstatistik liegen trotz erheblicher Einbußen weiterhin die Niederlande, gefolgt von Norwegen, das erstmals auf Platz vier kam. In Norwegen stammt den Angaben zufolge inzwischen jede dritte gekaufte Flasche Weißwein aus Deutschland. Ein besonders starkes Plus verzeichnete Hongkong: Dank aufgehobener Importzölle stieg die Menge der importierten Weinmenge um 75,6 Prozent auf 959 Hektoliter, der Wert schoss sogar um rund 220 Prozent auf 949 000 Euro in die Höhe.
Das DWI ist inzwischen noch in zehn Auslandsmärkten mit seinem Marketing für Deutsche Weine aktiv, aus fünf Märkten habe man sich wegen knapper Budgets zurückziehen müssen. Künftig will das DWI aber neben dem Riesling als der Leitrebsorte verstärkt deutsche Rotweine, insbesondere den Spätburgunder, anpreisen.
ddp
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