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Hochseefischer setzen Segel

Deutschlands größter Fischtrawler steuert mit Lenkdrachenantrieb zum Schleppfischen in den Pazifik

Amsterdam (ddp). Mit langsamer Fahrt bahnt sich Deutschlands größter Fischtrawler seinen Kurs durch den engen Nordseekanal von Ijmuiden bei Amsterdam. Nur mit Hilfe zweier Hochseeschlepper kann das 141 Meter lange Fischfangschiff «Maartje Theodora» die Passage durch das schmale Fahrwasser hinaus in die Nordsee bewältigen. Nach einer halben Stunde ist das Molenfeuer erreicht und Kapitän Arie Guijt steuert hinaus auf die offene See, um wenige Tage vor der nächsten Fangreise einen neuartigen Windkraftantrieb zu testen.

Zehn Seemeilen vor der holländischen Küste gibt Guijt den Befehl zum Ausfahren des neuen Großsegels. Auf dem Vorschiff hängen zwei Besatzungsmitglieder das riesige Segeltuch in den Mast. Dann hebt sich ein hydraulisch betriebener Teleskopmast in den Himmel. Etwa 18 Meter über dem Schiffsdeck greift die leichte Brise in das 160 Quadratmeter große Polypropylen-Segel, das sich allmählich entfaltet und in die Höhe steigt. Die Leine strafft sich. In mehr als 100 Meter Höhe bläht sich der Lenkdrachen der Hamburger Firma Sky Sails vollends auf. Mit einer Zugkraft von acht Tonnen zieht er jetzt das Schiff übers Meer.

Auf der Brücke reichen sich zwei Männer die Hände. Vor fünf Monaten hatten Stephan Wrage, Sky-Sails-Chef und Erfinder des innovativen Zusatzantriebs, und Diederik Parlevliet, Geschäftsführer des niederländischen Fischereiunternehmens Parlevliet & van der Plas, die Nachrüstung des zehn Jahre alten Fischtrawlers mit dem Megasegel vertraglich vereinbart und dafür 777 000 Euro Fördermittel von der EU und dem Land Mecklenburg-Vorpommern erhalten. Mit einem weltweit einzigartigen Pilotprojekt soll nun erprobt werden, ob sich der schon auf drei Frachtschiffen bewährte Lenkdrachen auch für die Fischerei eignet.

Schätzungsweise bis zu 35 Prozent der Treibstoffkosten lassen sich während der Transferpassage in die Fanggebiete vor Afrika und im Südpazifik mit dem windgestützten Zusatzantrieb einsparen. Doch im Schleppnetzbetrieb wurde das Segel bislang noch nie getestet. Schon am Wochenende werde die «Maartje Theodora» Kurs auf Südamerika nehmen, sagt ihr Erster Offizier Horst Heiland. «Etwa 200 Seemeilen vor der chilenischen Küste wollen wir Schildmakrele fangen und während der mehrstündigen Trawlzüge auch das neue Riesensegel setzen.»

Firmenchef Parlevliet rechnet mit deutlichen Kosteneinsparungen. «Wenn sich das System bewährt, würden wir weitere Schiffe unserer Trawlerflotte nachrüsten und damit einen wichtigen Schritt zum Aufbau einer nachhaltigen pelagischen Fischerei leisten», sagt er. Nach Ansicht von Mecklenburg-Vorpommerns Fischerei- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) wird damit die Wettbewerbsfähigkeit des aufwendigen weltweiten Schwarmfischfangs gesichert.

Insgesamt fünf Trawler gehörten derzeit zur mecklenburgischen Hochseeflotte des holländischen Fischereiunternehmens, sagt Backhaus. An Bord arbeiteten 300 ostdeutsche Fischer. Weitere 200 Mitarbeiter beschäftige Parlevliet & van der Plas im neuen Fischverarbeitungswerk Mukran auf Rügen.

Zusätzliche Jobs könnte der umweltfreundliche Schiffsantrieb in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern bringen. Das weltweite Interesse wachse deutlich, sagt Sky-Sails-Chef Wrage, der die serienmäßige Fertigung plant und bis 2020 rund 3300 Schiffe ausrüsten will. Sollte es so kommen, könnte die Zahl der Beschäftigten im Hamburger Konstruktionsbüro und im Fertigungswerk in Wismar von derzeit 80 Mitarbeitern binnen weniger Jahren fast verzehnfacht werden.

(skysails.de)

(ddp/Foto: SkySails)

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