Angenommen Ihnen steht ein unangenehmer oder langwieriger Telefonanruf bevor, den Sie gerne vermeiden würden, aber eine SMS oder E-Mail erscheint Ihnen zu unpersönlich. Was tun? Die Lösung für solche Zwickmühlen könnte in Zukunft Slydial lauten.
Slydial ist der Name eines neuen Telefondienstes aus den USA. Sly bedeutet übersetzt soviel wie durchtrieben, listig, schlau. Ebensogut könnte der Sevice aber auch Shydial heißen, denn er bietet die Möglichkeit direkte Telefongespräche zu umgehen.
Bislang bestimmt noch der Angerufene, ob er ein Telefonat entgegen nimmt oder nicht. Slydial dreht dieses Prinzip um und macht es möglich, dass der Anrufer eines Mobilfunkanschlusses direkt mit der Mailbox des Angerufenen verbunden wird, wo er eine Sprachmeldung hinterlassen kann. Da das Handy nicht klingelt, bemerkt die angerufene Person den Anruf frühestens, wenn eine Nachricht über die neue Sprachmeldung auf dem Display erscheint.

Um die Funktion zu nutzen muss der Teilnehmer nur die Nummer von Slydial vor der gewünschten Mobil-Rufnummer vorwählen und 10 Sekunden Werbung über sich ergehen lassen. Falls er es vorzieht auf die Werbung zu verzichten, zahlt er pro Anruf 0,15 $. Wer den Service dauerhaft in Anspruch nehmen möchte, der kann für knapp 5 $ im Monat oder 30 $ im Jahr einen Premium Service nutzen.
Technisch möglich ist dieser Dienst dadurch, dass jeder Netzbetreiber für die Umleitung auf die Mailbox eine Nummernkombination an die eigentliche Mobilfunknummer anhängt. Da diese Nummern keinem besonderen Schutz unterliegen, kann Slydial sie nutzen und ohne Umwege eine Verbindung auf die Mailbox herstellen.
Nach Auskunft von Slydial eignet sich dieser bisher weltweit einzigartige Telefonservice für die unterschiedlichsten Situationen: Wenn man in Zeitnot ist, ein erwartungsgemäß unschönes Gespräch vermeiden möchte oder den Angerufenen nicht stören will. Der Dienst wird momentan nur in Amerika angeboten und funktioniert nicht bei Prepaid-Handys. Laut Gavin Macomber von Mobile Sphere, dem Unternehmen hinter Slydial, sollen bereits über 200.000 Nutzer den Service bereits in Anspruch genommen haben. In Zukunft ist geplant, das Angebot auch auf Europa auszuweiten.
Kritiker sehen eine Gefahr in diesem Verfahren darin, dass immer mehr Menschen versucht sein könnten Fake-Kommunikation zu betreiben und jemanden anrufen ohne ihn überhaupt erreichen zu wollen. So würden wichtige Gespräche und notwendige Entscheidungen aufgeschoben. Ganz abgesehen davon, dass die Angerufenen an der Nase herumgeführt werden, da ihnen vorgegaukelt wird, man hätte ernsthaft versucht sie zu erreichen.
Eine andere Gefahr besteht darin, dass die Werbeindustrie Slydial für sich entdeckt und die Mailboxen von Handynutzern bald mit Spam-Werbebotschaften zugestopft werden.
Printer-friendly version |
Send to friend |
PDF version
Kommentare: